
Das Gebirge war in meiner Fantasie ein reinrassiges Rennpferd.
Das Gebirge war in meiner Fantasie ein reinrassiges Rennpferd.
Ein Rennpferd, das den ganzen Tag galoppierte.
Nachts habe ich ihm einen Besuch abgestattet, während seiner Ruhezeit,
als die Schreie und Peitschenschläge von Tausenden von Jockeys nunmehr längst verklungen waren und der geduldige Stallbursche ihm den Rücken striegelte.
Er hinterlässt mit dem großen Striegel gleichförmige Muster auf dem Fell, folgt den Formen des Körpers, ordnet das Haar.
Es ist die Nacht vom 20. auf den 21. März, der Mond im Perigäum lässt das Weiß der Sattellage noch heller erstrahlen und führt den Glanz des vergangenen Tags wieder vor Augen.
Die Luft ist wie Watte und lässt alle Anstrengung vergessen, die Kälte wirkt belebend. Zu vernehmen ist nur das Geräusch des Striegels, der sich seinen Weg zwischen den Muskelmassen bahnt.
Nach Stunden methodischen Arbeitens ruht das Gebirge, allein mit sich selbst und bereit für den ersten Ritt des neuen Morgens.
Francesco de Luca, Jahrgang 1973, studierte Literaturwissenschaft an der Universität Urbino. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel „Il corpo e la fotografia“ (dt. der Körper und die Fotografie). Sehr bald begann er, sich mit Fotografie zu beschäftigen, und trat somit in die Fußstapfen seines Vaters, eines Fotografen. Entwickeln und Drucken wurden zu seiner Leidenschaft. 2004 machte Francesco de Luca Fotoreportagen in Ecuador, 2006 in Nicaragua, 2008 in Bosnien-Herzegowina, und 2010 arbeitete er für mehrere humanitäre Organisationen. Mit Heads Collective realisierte er Projekte und Fotokampagnen für ZeroRH+, Alce Nero, Autostrade per l‘Italia, ACTV, Medici con L‘Africa Cuamm, Avis sowie die Stiftung Fondazione Claudio Buziol. Einige seiner Arbeiten wurden in Kult, The End Magazine und Riders veröffentlicht.